Stimmung ….
23.04.08 (Persönliches, Wirtschaft)
Naja, jetzt, nachdem ich da ne Nacht drüber schlafen konnte, schau ich mir das nochmal an, meine Stimmung dazu, diverse Reaktionen (ala “was machst du jetzt” und “wie gehts weiter”) - als ob ich das wüsste.
Irgendjemand hat es halt offensichtlich auf mich abgesehen, lustigerweise gehts auch um Einnahmen aus “Telefonberatung”, was ich irgendwann mal probierte, aber nun schon ewig nicht mehr auf meinen Seiten verlinkt ist (das hab ich kurz versucht, und da da kaum was war und die Anrufe nicht wirklich spirituelles Niveau hatten, hab ich das auch schnell wieder abgedreht. Vielleicht hab ich ja insgesamt an die 100 Euro damit verdient …).
Alles insgesamt also im Bereich des Lächerlichen.
Ärgern tut mich tatsächlich, daß man, wie ich nun schmerzlich feststellen mußte, zwar bei allen möglichen staatlichen Unterstützungen zwar eben bis zu 350 Euro im Monat dazuverdienen darf (aka 4200 im Jahr), ausgerechnet bei der niedrigsten Unterstützung, der Sozialhilfe, aber nicht. Angeblich kommt da nächstes Jahr auch n neues Gesetz, wo das dann geht (weiss ich nicht so genau, und werd mich da dann genauer schlau machen…).
Noch mehr ärgern tut mich allgemein, dass ich mich für Dinge rechtfertigen muß, wie zum Beispiel das Betreiben einer Webseite und Einnahmen durch Google-Werbung, um diese Seite zu finanzieren. Wohlgemerkt: Da gehts nicht um steuerrechtliche Sachen (das ist alles in Ordnung), sondern rein darum, was ein “Sozialhilfeempfänger” in seiner Freizeit macht, und aus meiner Sicht wurden da einige Grenzen überschritten. Das Sozialamt wusste von Anfang an, daß ich Bücher geschrieben habe und schreibe, und daß ich allein davon nicht leben kann (von vielleicht 400-500 Euro Tantiemen im Jahr). Das hatte ich angegeben, und es ist auch seit einer Unicef-Studie bekannt, daß 99,98% aller (verlegten!) Schriftsteller von ihren Einnahmen aus dieser Tätigkeit nicht leben können.
Seit ich dort bin, bin ich nun, seit kürzlich, beim vierten Berater, und anscheinend wurden da wohl auch Angaben von mir verschlampt. So geschah es eben nun, daß ich dort plötzlich MIT DEM GESAMTAUSDRUCK MEINER PRIVATEN RELIGIÖS-SPIRITUELLEN WEBSEITE konfrontiert wurde … in meinem Privatleben herumgeschnüffelt wurde. Und das halte ich für ungeheuerlich. Es ist sicherlich okay, wenn sowas die Polizei macht, oder ein staatlicher Geheimdienst, oder ein Finanzamt, aber solche Schnüffeleien in meiner Privatssphäre seitens des nationalen Sozialamts mit Vorwürfen ala “sie waren im Ausland” halte ich eigentlich für eine Grenzüberschreitung und Frechheit. Anzumerken ist, daß die empfangenen Leistungen kein Geschenk sind, sondern a) Rückzahlbar (!!!!!!) und b) ein gesetzlicher Anspruch darauf besteht. Das Sozialamt ist also keine Wohltätigkeitsveranstaltung, sondern ein Amt, hat dem Bürger dienlich zu sein, und diesen nicht wie ein Bittsteller zu behandeln (wie es leider immer wieder geschieht und falsch aufgefasst wird).
Einfach nur ärgerlich das Ganze.
Tatsache ist weiter, daß ich aus Uninformiertheit in der Vergangenheit auf viele Ansprüche gegen den Staat verzichtet hatte (Arbeitslosenunterstützung) und Fristen versäumte, da ich nicht wusste, daß meine selbständige Tätigkeit in den 90er-Jahren meinen Anspruch auf die Versicherungsbeträge während meiner zuvorigen Angestelltenzeit nur unterbrach - und diese wieder aufgelebt hätten. Ich hatte da seinerzeit Höchstbeitragsgrundlagen gezahlt, und hätte dann auch dementsprechend die höchste Arbeitslose bekommen, ein Vielfaches dessen, was nun dieses lächerliche staatliche Almosen ausmacht. Staatdessen hab ich einfach alles aufgebraucht und verkauft, was ich hatte.
Naja, egal.
Was tatsächlich nicht in Ordnung war, ist, daß ich den Zuverdienst durch meine Seminare dem Sozialamt nicht gemeldet habe. Bekäme ich z.b. Arbeitslose, wäre ich in der Situation, daß ich diesen Zuverdienst a) gar nicht finanziell bräuchte, und b) ihn trotzdem verdienen dürfte. So aber war das nicht in Ordnung, und die daraus sich ergebenden Konsequenzen habe ich zu tragen, und werde ich auch tragen. Ich sah das halt als Taschengeld, damit ich finanziell überlebe, man hat ja durchaus auch paar Mehrausgaben, als dieses Almosen finanziert, z.b. auch die komplette Miete, die vom Sozialamt z.b. nicht zur Gänze finanziert wird (auch für Strom und Heizung gibts nur 600-700 Euronen im Jahr, möcht wissen, bei wem sich das ausgeht …).
Irgendwie fühlt man sich da behandelt, als sässe man im Knast, darf nicht am Wochenende ins Ausland, darf anderen Menschen nicht helfen bzw. keine Gegenleistungen und keinen Austausch annehmen, Webseiten müssten anscheinend werbefrei finanziert werden (von was?), und wenn man dagegen “verstösst”, findet man seine ausgedruckten privaten Webseiten auf einem Beamtenschreibtisch wieder - “verhöhnt und ertappt”.
Und das alles, weil man meinte “na okay, Sozialhilfe steht dir in deiner Situation zu, also nimm sie auch”. Wegen 420 Euronen im Monat. Behandelt wie ein Leibeigener des Staates. In einer kürzlichen Studie wurde übrigens bewiesen, daß ein extrem großer Prozentsatz von Menschen, denen diese staatliche Unterstützung zusteht, sie nicht in Anspruch nimmt, aus falscher Scham, aus Ängsten, aus Uninformiertheit, aus allen möglichen Gründen. Solche Beispiele zeigen: Sie haben Recht.
Also, nochmal, “was werde ich nun tun”? Keine Ahnung. Alles vorlegen und davon ausgehen, daß das Sozialamt für mich gestorben ist. Dann halt nicht … - nebenbei kommt da durchaus ein persönliches Gefühl von Freiheit hoch. Behandelt werden wie ein Entmündigter? Nein, Danke. Sich schämen weil man Bücher schreibt? Soweit kommts noch. Einladungen ins Ausland verbieten lassen oder Rechenschaft darüber abgeben, gar um Erlaubnis fragen wie seinerzeit bei Muttern oder bei Ausgang in der Kaserne? Die spinnen, die Römer …
theEd

23.04.08 um 16:43
Ja, kann ich dir gut nachempfinden, Edgar. Ein Grund, warum ich bisher immer auf sowas verzichtet hatte.
Aber schaut man der Sache nüchtern ins Auge, waren die Zeiten in denen ich mich mit diesen Themen intensiv beschäftigte immer die ärmlichsten. Am Ärmlichsten meine “Karriere” als Mystiker, mit zeitweise 150 DM/ Monat (war so bis Mitte der 80er-Jahre). Damals hatte mich das manchmal ziemlich geärgert, da ich das Gefühl hatte, und damals hatte ich schöne Erlebnisse diesbezüglich, doch auch etwas zu tun, was vielleicht allen hilft.
Aber, so bitter es ist, in dieser Thematik, und ich spreche nur für mich, gibt es nicht wirklich was zu verdienen. Entweder man ist schon vorher “etabliert”, wenigstens ein Zigaretten- und Hanfladen wie Nisargadatta, oder man sitzt im Grunde so da wie Ramana. Dann kann man dem Selbst vertrauen, oder nicht.
Es gibt hier keine Kultur mehr für solche Dinge. Diese wurde mit den Mystikern im Mittelalter ausgerottet. Das ist alles in “berufenen Händen” von Kirchen. Mit dem Ende der Mystiker hat sich eigentlich auch keine sozial anerkannte eigene Mystik in unseren Breiten mehr entwickeln können. Die Kirchen selbst sind saftlos geworden, ohne neue Impulse, aus der “lebendigen Erfahrung”, und werden ihre Saftlosigkeit wacker verteidigen, als “trockenes Brot”. Da ist alles, was lebendig ist wahres Gift.
Ich jammere auch gerne,ab und an. Du kannst dir als tibetanisches Exilkloster tatsächlich Sponsoren aus der Industrie anlächeln, also als etwas, was von einer Tradition getragen wird. Aber, da die westlichen Traditionen der Mystik ausgerottet wurden, und damit auch ihre Anerkennung, als Lebensstil, steht man als “Mystiker” oder “Erwachter” sozial auf dem beruflichen Niveau eines Penners. Sowas gibt es einfach nicht, und wenn, dann so ne kirchliche Abklatschmystik, mit fliegenden Pfarrern, alias Pater Pio, oder Marienerscheinungen, was weiß ich.
Gruß tobias
24.04.08 um 10:00
Hallo Edgar und Tobias,
na das hört sich ja alles nicht so prima an! Ich habe doch glatt geglaubt, wenn ich denn erwacht bin, kann ich Satsangs geben, ein paar Bücher schreiben, vielleicht noch die ein oder andere Heilsitzung unterbringen und davon leben. Wäre doch prima!
So muß ich mir wohl doch die nächste Anstellung als Informatiker suchen (bin gerade gekündigt worden!).
@Edgar
Also wenn ich genügend finanzielle Mittel hätte, würde ich Dich sponsoren, sodaß Du Dich voll auf die Santsangs und Seminare konzentrieren kannst. Wie ich finde ein unschätzbares Geschenk für alle diejenigen, die sich danach sehnen!
Aber dennoch bleibt mir eine Frage. Aus der “absoluten” Sicht heraus betrachtet, ist doch alles bestens in Ordnung mit dem Sozialamt und dem Rest der Illusion, oder?!
Viele Grüße
Marc
24.04.08 um 10:26
“Aber, so bitter es ist, in dieser Thematik, und ich spreche nur für mich, gibt es nicht wirklich was zu verdienen. ”
Aha, darum geht es also;)
Olaf
24.04.08 um 11:44
Hi Olaf,
nun ja, nicht in der Hauptsache, aber ehrlich gesagt, warum nicht auch, wie bei allem anderen, was man tut. Wer macht schon nicht gerne das Hobby zum Beruf. Eine schönere Verbindung kann es ja im Grunde nicht geben …
und genau so kann man das sehen
Gruß tobias
24.04.08 um 11:59
@Marc: Ja klar, (nicht nur) aus absoluter Sicht: alles in Ordnung …
24.04.08 um 12:06
Hallo Edgar,
heftig, was dir da passiert. Eigentlich ein Witz, könnte man darüber lachen. Die Leute haben anscheinend echt nix besseres zu tun, als anderen in den Garten zu pinkeln. Dabei bist du so ein Supertyp. Findet man nicht alle Tage. Behalte deine Geschmeidigkeit und deinen Humor
Liebe Grüße
Brigitte
26.04.08 um 10:13
Hier kleckere ich mal etwas Senf drauf, obwohl es doch schon gut gewürzt ist.
@Edgar, also da könnte für mich stehen was wollte…ich kenne dich schon etwas länger und kenne deinen Kampf ums Überleben. Dein Kampf ist auch meiner und obs hilft oder nicht, Du bist okay wie du bist. Sei tapfer und übersieh die machthungrigen Geier.
Osho hat sie seinerzeit belächelt und am Ende haben sie ihn noch vergiftet. Pass gut auf dich auf.
@Marc,
bist du etwa nicht erleuchtet? Wie kommst du zu der Annahme nach der Erleuchtung Bücher schreiben zu können?
Deine Vorstellung von den Dingen spiegelt sich in Millionen von Menschen wieder und die machen dann solche Scheiße wie sie Edgar beschrieben hat.
Bleib einfach locker und trags mit Humor.
Ich verneige mich vor der Buddhanatur in dir.
Sharana
26.04.08 um 13:40
Hi Sharana,
oh, Osho wurde vergiftet? Das wusste ich och gar nicht. Nach der Erleuchtung kann man natürlich keine Bücher mehr schreiben, nur noch so, wie vorher auch …
27.04.08 um 16:11
Hi Tobias,
als er in den USA war und man ihn für Tage eingesperrt hatte…sein Leibarzt hatte das Gift im Blut gefunden. Er starb dann ja auch bald. Ich müsste erst nachschauen wie welches um welches Gift sich handelte.