Produktivität
09.03.08 (EDV, Politik, Wirtschaft)
Ich bin einer der Verantwortlichen. Ich gestehe: Ich habe in den letzten 25 Jahren einige Computerprogramme geschrieben, von denen ich nicht sicher sein kann, daß dadurch nicht einige logistische Abläufe vereinfacht wurden, gewisse wirtschaftliche Abläufe effizienter wurden, manche administrativen Abläufe einfacher und zeitsparender wurden.
So wie mir geht es Millionen von Programmierern, die in den letzten Jahrzehnten die Welt verändert haben. Die Steigerungsraten in Effektivität und Produktivität sind seither enorm.
Nun, was wurde dadurch bewirkt ??
All die Menschen, die früher vielleicht 40 Stunden hart gearbeitet haben, brauchen nun stattdessen, bei gleicher Produktivität und dadurch gleichem Lohn …. nur mehr 20 oder 30 Stunden arbeiten??
Mitnichten.
Firmen strukturieren, sparen, entlassen. Und schreiben dabei Rekordgewinne.
Am Ende, vielleicht in ein paar Jahrzehnten, braucht es nur mehr den Chef, der auf einen Knopf drückt, alles andere produziert sich automatisch. Eigentlich ein Geschenk, für die ganze Menscheheit, das Schlaraffenland, der Himmel auf Erden. Die Rückkehr des Paradieses… ?
Mitnichten.
Am Ende wird der Chef auf einen Knopf drücken, tolle Güter werden erzeugt, und niemand wird das Geld haben, diese zu kaufen.
Sind denn wirklich alle durchgeknallt ???
Fragt sich bei solch einer Entwicklung
Edgar

09.03.08 um 01:46
Hallo Edgar,
in meinen Augen siehst du das ganz richtig, und da es nicht
funktionieren wird, wie du grob umrissen hast, einfach nur
dadurch, dass es mit dem bisherigen System nicht mehr funktioniert,
wird sich das System selbst verändern, was bedeutet, die
Produktionsmittel werden “soziales Eigentum”, da es nur so
funktionieren wird.
Und diese technische Entwicklung wird sogar noch weiter wirken.
Sie wird ein neues Selbstverständnis des Menschen erzwingen,
sollte er die Entwicklung als Art überleben (und irgendwann, z.B.,
dann die Mäuse, vor demselben Problem stehen).
Das wissenschaftliche Weltbild, diese ganze Entwicklung der
Aufklärung, wird selbst “soziales Erwachen” erzwingen, als Konsequenz.
Und muss das soziale Selbstverständnis, was “ich” ist, erwacht sein,
um noch zu funktionieren, werden die Menschen automatisch
“mit erwachen”. Denn die Limitation auf den Körper ist eine soziale
Konditionierung.
Meine Meinung
Mach dir keine Sorgen (machst du wohl eh nicht
)
Tobias
Tobias
09.03.08 um 01:51
*g*
Bin da ganz d’Accord mit dir …
Wollt heut nur ein bisschen schwarz malen, nicht wegen mir, und auch nicht wegen (persönlicher) Sorgen, sondern sehe das eher als eine Art “sozialer Verantwortung”, die ich da zumindest schreibenderweise mitübernehmen möchte
(Möcht einfach die Menschen ein bisschen “nervös” machen, die darüber nicht so Bescheid wissen. Beziehungsweise, ja, durchaus ein wenig “rütteln” … - soll manchmal munterer machen
*g*)
09.03.08 um 02:33
Hallo Edgar,
interessante Beiträge hast du da geschrieben. Freue mich schon auf mehr. Ich gehöre zwar zu denen, die sich wenig bis gar nicht mit diesen Dingen auseinandergesetzt haben. Aber es ist nie zu spät
Übrigens, weil du gerade von “Chef” sprichst …. Vor 14 Tagen habe ich den Bettel hingeschmissen. Es wurde immer unerträglicher in vielerlei Hinsicht. Vielleicht erinnerst du dich noch an unseren schriftlichen Austausch. Na ja, und wenn ich diese “Prophezeiungen” höre, wird mir schon Angst und Bange, ob das der “richtige” Schritt war und nicht eher unverantwortlich. Keine Ahnung. Bin gespannt, wie es weiter geht. Habe noch keinen Plan.
Mal sehen, wenn alles passt, komme ich im April nach Berlin zum Satsang.
Liebe Grüße
Brigitte
09.03.08 um 08:00
@ Edgar
ah so, nervös machen … man muss sich nur vorstellen, dass Europa
ca. 96 % seiner Energie importiert, in Form von Öl, Gas, Uran…
Biologisch -regenerativ ist diese Energiemenge nicht zu ersetzen. Z.B. Frankreich könnte max. 4 % seines Energiebedarfes aus den Wäldern decken.
Und, bedenkt man, dass Nahrungsmittel heute zu einem großen Teil aus
fossiler Primärenergie bestehen (Dünger, Transport, Sprit für Traktoren, Verarbeitung), ich sage hier eine unverbindliche Zahl, zu ca. 40% der Kalorien, bedeutet jede große Energiekrise eine Nahrungsmittelkrise, verbunden mit Unruhen, Kriegen, etc.
Aber, wenn man bedenkt, dass man diesen europäischen Energiebedarf vom Potential her schon alleine durch Windenergie ersetzen könnte (man muss halt ein mehrfaches der benötigten Leistung installieren, wegen der Schwankungen), ist die Sache auch wieder nicht so dramatisch, eher ein
Preisfrage.
Energiewirtschaft wird eine große Rolle spielen, und das Ziel ist viel, viel umweltverträgliche Energie, was schon heute, ist es politisch gewünscht, durch Gezeiten und Wind im technisch möglichen Bereich ist.
Energie wäre dann halt nicht mehr so billig, aber die Effekte der fossilen Energienutzung (Klimaänderung) verlagern halt auch nur einen Teil der Kosten in die Zukunft (wie auch die Uranwirtschaft).
Hat mich selbst gewundert. Der europäische Energiebedarf wäre alleine durch Windenergie ersetzbar, zu 100% …
Ein wirkliches Problem gibt es auch hier im Grunde gar nicht. Es ist
eine wirtschaftlich-politsche Frage, wie mit den Produktionsmitteln auch. Eigentlich hat der Mensch bereits alle Werkzeuge, um diese
Probleme zu lösen.
Lieben Gruß
tobias
09.03.08 um 08:51
@ Tobias
Ja, jedes der aktuellen Problem ist eigentlich lösbar. Ist alles nur eine Wollen-Frage. Leichter kann es uns das Göttliche doch gar nicht machen! *g*
09.03.08 um 10:00
Anscheinend kennst du ” title=”">Götz Werner, Chef der dm-Drogeriemärkte, noch nicht? Dessen Konzept halte ich für die nahe Zukunft (unsere Lebensspanne) für praktikabler und vernünftiger als auf ein allgemeines Erwachen und einen grundlegenden Bewusstseinswandel zu hoffen. Der wird kommen, aber nicht in den nächsten Jahrzehnten. Aber wir können oder müssen sogar darauf zuarbeiten. Jeder in seinen Möglichkeiten, in seinem Lebensumfeld. Praktisch. Nicht in theoretischem Orgelspiel immer die gleiche Leier drehen.
09.03.08 um 10:26
@Tobias: Gehe da ganz konform mit dir. Die Lösungen sind prinzipiell schon da - und es bedarf *nur* eines Umdenkens und einer Fokusänderung (im Geiste). (wie auch bei den Arbeitslosen: statt “die wollen nicht” oder “die armen finden keinen Job” z.b. ein “es braucht nicht mehr jeder zu arbeiten, juhu”. Alles nur eine Frage des halbvollen/halbleeren Glases). Aber die Flexibilität jener, die in jenen Strukturen drinnen hängen, ist da halt oft relativ klein, weil die Struktur (das System) ebenfalls überleben möchte (was nicht gehen wird …).
Also man muss das Gewitter “nur” zulassen, danach kann sich aus dem Chaos durchaus ne neue Ordnung (Schönwetter) wieder bilden - auf “höherer” (weiterentwickelter) Ebene. War ja immer so !! (Ende der Monarchien, Französische Revolution, etc etc).
Was mir nur bisschen Sorgen macht neuerdings: Dass ich kapiert habe, daß bei diesem “Wechsel” vor allem die ärmere Bevölkerungsschicht große (existentielle) Probleme haben wird.
09.03.08 um 10:45
@paperboy: Klar kenn ich den DM-Chef und seine Ideen (find ich auch gut). Da gibt es viele Konzepte, was man besser machen kann und wie man es anders machen kann, das ist mir schon klar.
Beschäftigen tu ich mich in meinen Kommentaren aber natürlich erstmal mit dem “Status Quo”, und übe dabei eben ähnliche Kritik wie auch Andere, die auch entsprechende Veränderungskonzepte schon parat haben (selber ein solches Konzept zu basteln, sehe ich allerdings für mich derzeit nicht als meine Aufgabe an… - die sehe ich im Moment eher im “aufzeigen” und “hinweisen”).
Eines muss man allerdings bedenken: Es eckt ja nicht nur an EINEM Punkt (z.b. Wirtschaftslage/Arbeitsmarkt), sondern da kommen ja demnächst viele andere Faktoren dazu, wie Klimawandel und soziale Krisen (Jugend, Mischkulturen, religiöse Konflikte etc.). Ich sehe das also etwas “Ganzheitlicher”, und denke, daß man nicht einfach nur an ein paar Rädchen zu schrauben braucht, damit ein von Grundauf krankes System überlebt. (Und jedes System, daß das Wesen des Menschen an sich nicht mitberücksichtigt, wird irgendwann krank werden).
09.03.08 um 13:31
Hallo Edgar,
Zitat Edgar:
“Was mir nur bisschen Sorgen macht neuerdings: Dass ich kapiert habe, daß bei diesem “Wechsel” vor allem die ärmere Bevölkerungsschicht große (existentielle) Probleme haben wird.”
Ja, das sehe ich auch so. Ich denke sogar, es wird ein wenig schlimmer. Ein Grund auch, warum ich lieber auf dem Lande lebe. Eine Stadt ist so unglaublich fragil, in einer Weise, wie es sich die meisten Bewohner gar nicht bewusst sind. Eine richtige Energiekrise, die ganzen Versorgungssysteme fallen aus, Nahrung, Strom, Wasser, Mobilität,
Kommunikation. Man kommt dann auch nicht mehr so einfach raus. Kultur in unserer Zeit ist fragil. Die lange andauernde Stabilität in unseren
Leben täuscht über diese Zerbrechlichkeit hinweg. Besonders auch, da für die meisten Menschen ein Abstieg wesentlich unangenehmer empfunden wird, wie ein Wachstum, selbst findet solch eine Schrumpfung auf einem wesentlich höheren Niveau statt.
Lieben Gruß
Tobias